Film & TV-Ton

Die Synergie von gutem Originalton und eindrucksvollen Bildern fasziniert mich bis heute, denn Ton und Bild stehen für mich in einem spannenden, sich ergänzenden Verhältnis zueinander.

Seit 1986 arbeite ich im Bereich Filmton, der mich im Jahr 1995 vom Postproduktionsstudio hinaus ans Set gebracht hat. Der Umstand nach Jahren Studioluft wieder die Tages- und Jahreszeiten mitzubekommen, edle Technik anzuwenden und das Wissen was später im Schneideraum an Tönen gebraucht wird um einen vernünftigen Soundtrack herzustellen, sind die Zutaten meiner Arbeit on Location.

„Ton ab!“ Locationsound - Überlegungen über den Ton am Set

Peter Utvary in HollywoodWir leben im Zeitalter des digitalen Tons. In Kinos sind aufwendige Tonsysteme für Surround- Wiedergabe eingebaut und die Besucher erwarten mit perfektem Sound, von allen Seiten in bester Akustik, nach THX zertifiziert, verwöhnt zu werden. Immer häufiger haben die Leute zu Hause 5.1 Surround TV und Video Anlagen installiert und sind deshalb an exzellenten Filmton gewöhnt. Dieses Publikum verlangt nach Filmen mit einer hohen Tonqualität, was wiederum zur Folge hat, dass die Tonabteilungen bei Filmproduktionen aufgrund der hohen Anforderungen, bei der Realisierung von gutem Originalton immer mehr Probleme zu bewältigen haben. Egal ob Autor, Redakteur, Filmproduzent, Produktionsleiter oder Regisseur, alle sollten sich bei der Herstellung eines Filmes, der mit Originalton gedreht werden soll, über die Bedeutung von gutem Ton im Klaren sein. Soll der produzierte Originalton bis zur Endmischung nicht im Mistkübel landen und von einer sterilen Synchronisation ersetzt werden, muss dem Ton die gleiche Möglichkeit am Set gegeben werden professionell zu arbeiten, wie seinen Kollegen von den anderen Departments. Die Toncrew, hat die Aufgabe den Originalton während der gesamten Dreharbeiten aufzuzeichnen und anders als bei den meisten anderen Abteilungen, deren Arbeitsergebnisse vor der Kamera, oder in Ausspiegelungen am Monitor gleich zu bewundern sind, können die Bemühungen der Toncrew nicht immer unmittelbar am Set von allen Gewerken wahrgenommen werden. Häufig wird zu wenig auf die Bedürfnisse des Tons bei den Dreharbeiten Rücksicht genommen. Viele wissen nicht einmal was die Leute vom Ton genau machen. Der Tonjob beinhaltet oft die Überwachung des Sets hinsichtlich unnötiger, unbeabsichtigter, oder einfach unbedachter Aktionen, die die Aufnahme womöglich gefährden könnten. Oftmals werden Tonleute mit eher frustrierenden den Ton betreffenden Bedingungen an Sets konfrontiert, wobei auch positive Ausnahmen die Regel bestätigen.

Peter Utvary in HollywoodTauchen Tonprobleme auf, werden aber manchmal die Möglichkeiten durch Teamarbeit am Set schnell eine Lösung zu finden, nicht wahrgenommen und als lästiges Hindernis betrachtet. Dies soll nicht bedeuten, dass eine gute Tonaufnahme nur durch diverse Änderungen am Set und zusätzliche Kosten erreicht werden kann. Agiert beispielsweise ein Regisseur bei einem Dreh tonfreundlich, wird er im Schneideraum bis hin zum Endmix von ärgerlichen Kompromissen verschont bleiben, wenn er versucht die Unmittelbarkeit und Spannung von gutem Originalton irgendwie künstlich wieder hinzutrimmen. Darum sollten mögliche Tonprobleme immer gleich am Set gelöst werden, denn ungelöste Tonprobleme tauchen in der Postproduktion sowieso wieder auf. Vieles kann zwar mit guten Filtern und aufwendiger Tonnachbearbeitung wieder repariert werden, aber irgendwo ist der Physik eine Grenze gesetzt und der Schritt zur Synchronisation unumgänglich. Anders verhält sich die Sache, wenn von Anfang an geplant ist den Film aus produktionstechnischen Gründen komplett zu synchronisieren. Da ist das Tonteam am Set eher ein stummer Begleiter der Dreharbeiten, da keine Zeit für Tonbelange eingeplant wird. Gelingt es dem Tonmeister brauchbares OT-Material zu ergattern, fließt dieses natürlich in die Endproduktion ein, der Rest aber wird nur als Orientierung für die Audiopostproduktion verwendet. Um unsere heutigen Probleme verständlich zu machen, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit eintauchen. Laut der damaligen Arbeitsbeschreibungen war jedes Mitglied des Teams, das - in welcher Form auch immer - mit dem Set in Berührung kam, nicht nur dazu angehalten auch auf den Ton und die Bedürfnisse der Toncrew zu achten, sondern geradezu dazu verpflichtet. Dies bedeutete, dass jede Person darauf achtete, dass der Originalton möglichst gut aufgenommen werden konnte. Und das nicht, weil man Tonleute damals mehr mochte, sondern weil man einfach nicht schuld an einer verpatzten Einstellung sein wollte, die nur wegen diverser Tonstörungen unbrauchbar war und deshalb wiederholt werden musste. Früher gab es noch keine Ton-Postproduktion im heutigen Sinn, sondern die gedrehte Einstellung ist entweder mit gutem Originalton gelungen, oder Bild und Ton sind in den Mistkübel gewandert. Die aus der Anfangszeit des Filmes komplette Trennung von Bild und Ton, kippte rasch in eine unmittelbare Verbindung der beiden Elemente, bis zur Entwicklung der Postproduktion, die wieder eine langsame Divergenz von Bild und Ton zur Folge hatte.
Heutzutage muss der Ton kaum mehr als Gemeinschaftssache empfunden werden, da viele in übersteigerter Computerhörigkeit glauben, alles was am Set nicht funktioniert, später per Computer wieder ausbügeln zu können. Ein weiteres, allerdings durchaus verständliches Problem, mit dem man als Tonverantwortlicher am Set zu kämpfen hat, ist der Umstand daß alle anderen Teams nur für den sichtbaren, jedoch nicht für den hörbaren Teil des Films arbeiten. Jede einzelne Person, egal ob für Licht, Kamera, Maske, Requisiten oder Garderobe zuständig, konzentriert sich auf das was nachher im Sucher zu sehen ist.

Audiocart mit Soundcraft-GP1 bestücktWenn man immer für das Sichtbare arbeitet, wird schnell der Ton vernachlässigt, indem durch oft gedankenlose und unbeabsichtigte Störungen, die Tonleute in Probleme geraten. Nicht jedes Geräusch am Set ist der Arbeit des Tons dienlich. Viele Geräusche verursacht das Technikpersonal, die Technik selbst, Requisiten, Kleidung usw. Das alles summiert sich mit den ohnehin schon schwierigen akustischen Bedingungen durch allgegenwärtigen Umgebungslärm zu einer Herausforderung für moderne Tonteams.Der Satz am Set: „ Das machen wir schon in der Postproduktion“ hat meist schwerwiegende Konsequenzen zur Folge. Nachsynchronisation ist nur dann eine Antwort, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und es am Set, aus welchen Gründen auch immer, unmöglich war entsprechendes Material aufzunehmen. Es kann nicht sein, dass aus Faulheit nachträglich vertont wird, obwohl die meisten Probleme mit etwas Kommunikation und minimalem Zeitaufwand auch am Set hätten gelöst werden können. Synchronisieren bedeutet immer, einen künstlerischen Kompromiss einzugehen, der einem Film, der auf Originalton aufbaut, mehr oder weniger stark schaden kann. Ein Schauspieler ist am Set fast immer besser, als in einem sterilen Studio-Aufnahmeraum, der zur Synchronaufnahme genutzt wird. Der Darsteller, seine Bewegungen, die Umgebung, das Set, die Stimmung im Spiel und die Akustik am Drehort machen eine Stimme dreidimensional und lebendig. Wenn unbedingt nachträglich vertont werden muss, dann sofort. Am besten noch am Set, oder in der Nähe und sofort nachdem die Szene im Kasten ist. Die Performance der Darsteller wird stimmiger und viel lebendiger klingen. Eine Studio-Synchronisation kann diese Lebendigkeit nur schwer nachahmen. Natürlich sind Synchronisationen nicht generell zu verteufeln, da mit einer geschickten Synchronisation Teile einer Szene, die am Set misslungen sind, gut gerettet werden können. Anders verhält es sich bei Synchronisationen in andere Sprachen, die den Figuren durch bessere Stimmen als im Original mehr Druck und Intensität geben können. Bestes Beispiel dafür ist Sean Connery, der im Original eine eher mittige, zischelnde Stimme hat, die in der Synchronfassung deutlich an Ausdruck gewinnt.

CHECKLISTE

NOTIZEN AUFWAND

Was wird gedreht ? Doku, Film, TV

Wird klassisch mit einer Kamera und Tonassistent gedreht?

Ist ein Zweispuraufnahmesystem oder ein Mehrkanalsystem notwendig?

Wird viel ambulant gedreht, oder ist ein Setup mit Tonwagerl möglich?

Sind mehrere Kameras im Einsatz um verschiedene Einstellungsgrößen gleichzeitig zu drehen?

Ist eventuell ein zweiter Boomer (Kosten) notendig?

Wieviele Funkstecken werden gebraucht?

Aufwand an Monitoring für Regie, Regieassistenz,Skript, Kunde (Funkheadsets oder kabelgebunden)

Welches Material muss für die Drehzeit zugemietet werden, falls der Aufwand die Eigenmittel übersteigt?

Sind Playbackzuspielungen eingeplant? Wer spielt zu? Ist eine Tonanlage mit PC und Editornotwendig oder reicht ein CD-Player?

Sind die Motive O-Ton tauglich, oder sind noch Verbesserungen oder Änderungen möglich.

Gibt es ein Aggregat und wo wird esstehen?

Bleibt Zeit für Atmos, Nachsprecher etc.

Wird zwingend O-Ton gebraucht, oder reicht Primärton für das Projekt

Ist prinzipiell Angeln,oder nur der Einsatz von Funkmikros möglich

Wird es Proben geben, oder legt man Wert auf bereits mitgefahreneProben

Peter Utvary
Waveland Tonstudio

Musikproduktion · Sounddesign · Film & TV-Ton

Penzingerstraße 135/21
A-1140 Wien

Tel.: +43 1 89 48 950
Mobil: + 43 (0)664 50 48 443

e-mail: info@waveland-tonstudio.at

Karte des Unternehmensstandorts

Neues • Neues • Neues • Neues • Neues

HOPE FOR ALL Dokumentation
Regie: Nina Messinger 2015
LUFT HOLEN Spielfilm
Regie: Mathias Matsierschlig 2014
MEINE NARBE Dokumentation
Regie:Miriam Unger ORF/DOK-Film 2014
NOEMA
von Christiana Perschon gewinnt den
Vienna Independet Shorts Filmpreis 2014

NATUR IM GARTEN Gartenmagazin
Regie: Helmut C.Gürtel ORF 2014
BAKARY J
Kurzfilm
Regie: Paul Weingartner Gruppe Umkehrfilm 2014
TRIUMPH DER TOMATE Universum
Regie: Maria M. Koller ORF 2014